Eva Schneck war 2013/2014 Freiwillige in Argentinien. Dorthin wurde sie von der Stiftung Katholische Freie Schule in Rottenburg entsandt. Seit dieser Zeit ist sie als Rückkehrerin bei ihrem Träger aktiv und berichtet von den Möglichkeiten des Rückkehrerengagements beim Programms „Santiago del Estero- Argentinien“.

Das Wort Praktikantin ist in diesem Text gleichzusetzen mit Freiwillge.

Rückkehrerengagement des Praktikumsprogramms „Santiago del Estero- Argentinien“ der Stiftung Katholische Freie Schule in Rottenburg

Jeder von uns kennt das Gefühl, nach einem längeren Auslandsaufenthalt wieder zurück nach Deutschland zu kommen, Herz und Kopf voll mit neuen Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen. All das würde man anderen gerne mitteilen, die gemachten Erfahrungen TEILEN, aber bereits wenige Wochen später findet man sich selbst im Alltagsrhythmus wieder; das Erlebte ist zwar nicht vergessen, aber dennoch nicht mehr so präsent. Auch eine gewisse Leere kann sich dadurch breit machen, dass Erlebnisse nicht ausreichend ausgetauscht werden können.

Genau diesem Effekt wollen wir mit unserer Rückkehrerarbeit entgegenwirken: Wir wollen unsere Praktikantinnen und Praktikanten, ihre Motivation, ihren Enthusiasmus und die Begeisterung für Land und die Leute möglichst direkt auffangen und so gleichzeitig sicherstellen, dass der Austausch nicht nur auf einem Kontinent stattfindet. Die Praktikantinnen und Praktikanten sollen also die Möglichkeit haben sich auszutauschen, anderen von ihren Erfahrungen zu berichten und sie gegebenenfalls sogar davon überzeugen, sich ebenfalls auf solch eine Erfahrung einzulassen und sich für ein Auslandsjahr zu bewerben. Das Praktikum in Santiago soll also nicht mit dem Rückflug zu Ende gehen; vielmehr sollen Gespräche mit Interessierten die kulturellen Erlebnisse des Einzelnen zu einem kulturellen Austausch mehrerer werden lassen.

Aber auch als Träger profitieren wir vom Rückkehrerengagement und sind gar darauf angewiesen. Durch die Mithilfe bei Informationsveranstaltungen und der Vorbereitung der Neuen können die Ehemaligen nicht nur ihre Begeisterung für Land und Leute authentisch weitergeben, sondern revanchieren sich gleichzeitig beim Träger sowohl für die nahe Begleitung während des Jahres als auch die finanzielle Unterstützung. Mit ihrem Engagement helfen sie nicht nur den Austausch aufrechtzuerhalten, sondern auch dabei, ihn kontinuierlich weiterzuentwickeln. Jederzeit können neue Ideen und Vorschläge eingebracht werden; Anregungen und kritisches Feedback werden für die kommenden Jahre umgesetzt.

Es gibt eine große Anzahl an Möglichkeiten sich einzubringen: Seit einigen Jahren liegt die Koordination des Praktikumsprogramms ausschließlich in den Händen Ehemaliger. Sie sind damit für die Auswahl, Vorbereitung, Begleitung der Praktikantinnen und Praktikanten sowie die Koordination und Kommunikation mit der Partnerorganisation in Argentinien zuständig. Dies bedeutet zum einen große Verantwortung, zum anderen aber auch eine tolle Chance, die Partnerschaft weiter voranzubringen und gewinnbringend zu beeinflussen. Aber auch punktuell kann man aktiv werden, zum Beispiel bei Informationsveranstaltungen an Stiftungsschulen, um das Interesse potenzieller Bewerberinnen und Bewerber zu wecken, oder auch bei einzelnen Workshops oder ganzen Studientagen, die die Möglichkeit bieten, mit Schülerinnen und Schülern inhaltliche Themen zu erarbeiten und kulturelle Unterschiede zwischen den beiden Ländern aufzuzeigen. Auf diesem Wege findet der Austausch auf einer breiteren Ebene statt und die im Ausland gemachten Erfahrungen fließen wiederum in die Schulen des Trägers mit ein. Das in beiden Ländern stattfindende Unterrichtskonzept „Chat der Welten“ ist eine Projektarbeit zwischen Praktikantinnen und Praktikanten vor Ort und den aktuellen Rückkehrerinnen und Rückkehrern. Dabei arbeiten Schülerinnen und Schülern aus deutschen und argentinischen Klassen parallel an einem vorher festgelegten Thema und tauschen sich anschließend über ihre Ergebnisse aus, stellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede fest, kommen so miteinander ins Gespräch und tauschen sich aus. Inhaltlich sind hier keine Grenzen gesetzt: vom direkten Briefaustausch über Beschäftigung mit Themen wie „Heimat“ oder „Wasser“ bis hin zu geschichtlichen, wirtschaftlichen oder geographischen Themen ist alles denkbar.

Was unsere Rückkehrerarbeit außerdem ausmacht, ist unser Freundeskreis Tinkunakuy. „Tinkunakuy“ ist ein Begriff aus der indigenen Quichua-Sprache und bedeutet so viel wie „Begegnung“ und „Austausch“. Dies ist zugleich die Hauptmotivation des Freundeskreises: Getreu dem Motto „vivir el encuentro“ (die Begegnung leben) soll die Partnerschaft der beiden Diözesen gelebt und erlebt werden. Der Freundeskreis wurde vor knapp 10 Jahren gegründet und besteht aus ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten, deren Eltern und weiteren Interessierten. Durch halbjährliche Treffen und gemeinsame Aktionen entsteht eine Gemeinschaft, bei der der Austausch über die Praktikantenjahrgänge hinweg stattfinden kann. Durch den regelmäßig erscheinenden Rundbrief des Freundeskreises erhalten die Leserinnen und Leser Einblicke in den Alltag der Praktikantinnen und Praktikanten vor Ort und können so an ihren Erfahrungen teilhaben; außerdem werden politische sowie wirtschaftliche Themen aus Argentinien aufgegriffen und die vielseitige Kulturlandschaft Argentiniens vorgestellt.

Letztendlich lässt sich die Motivation unseres Rückkehrerengagements in einem Sprichwort der Stadt Santiago del Estero, in der wir alle unser Praktikum absolviert haben, zusammenfassen. Es lautet: „Santiago no tiene riendas, pero ata“ und bedeutet übersetzt ins Deutsche „Santiago hat keine Zügel, aber hält dich dennoch fest“.

In diesem Sinne freuen wir uns auf zahlreiche weitere Jahre aktiver Rückkehrerarbeit.

Eva Schneck, Freiwillige 2013/2014 in Argentinien

aus der Reihe „10 Jahre Servicestelle“