Das bedeutet in vielerlei Hinsicht eine große Umstellung.

Als ich im August hier ankam, wurde mir schnell klar, dass nicht alles so laufen würde, wie ich es erwartet hatte. Wer nach Pattaya kommt sieht erst mal nur jede Menge Touristen – männliche Touristen und noch mehr thailändische Frauen.

Wenn man, so wie ich, die Chance bekommt, von den Thais selbst diese Stadt gezeigt zu bekommen, dann lässt sich auch hier etwas vom Zauber Thailands wiederfinden. Und dieser steckt nicht nur in schönen Stränden und faszinierenden Nachtmärkten, sondern auch und vor allem in seinen Menschen.

Die mitunter wichtigsten Begegnungen mache ich während meiner Arbeit im Fountain of Life Women’s Center. Zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Johanna betreue ich zwei Deutschkurse, insgesamt unterrichten wir an die 50 Frauen jeden Tag.

Klar, Pattaya ist die Hochburg des Sextourismus und auch wir wissen, dass viele unserer Schülerinnen sich auf diese ihr Geld verdienen müssen oder mit einem ausländischen Freund zusammen sind und trotzdem vergisst man das so schnell im Unterricht. Hier begegnen einem so unglaublich starke Frauen, die aus eigenem Antrieb eine so schwer zu lernende Sprache wie die deutsche lernen wollen, die schon nach kürzester Zeit Freundschaften untereinander und mit dir knüpfen.

Ich muss zugeben, Unterrichten ist nach wie vor eine Herausforderung für mich (Lehramt werde ich definitiv nicht studieren), aber trotzdem bin ich dankbar für die Erfahrungen, die ich hier machen darf.

Dazu zählt auch in einem Land zu leben, dessen Lebensstil sich deutlich von unserem unterscheidet. Das Reisesser-Vorurteil bestätigt sich in Thailand nur ein Wort für Frühstücken, Mittagessen und Abendessen haben? Es heißt gin kau. Gin bedeutet essen, kau bedeutet Reis. Und auch wenn es natürlich ein paar Ausnahmen gibt, so wird hier doch zu jeder Tageszeit Reis gegessen. Morgens gibt es Reissuppe, auch bei uns im Center, sie schmeckt eigentlich gar nicht so schlecht, mittags und abends gibt es normalen Reis oder Stickyrice. Stickyrice ist ein klebriger Reis, den man sich gar nicht vorstellen kann, bevor man ihn das erste Mal selber isst. Und er ist mit Abstand der coolste Reis, den ich kenne!

Es gibt so viel in Thailand zu entdecken, so viele Dinge, die man sich in Deutschland gar nicht vorstellen kann. Und es gibt viel zu lernen: über die Thais, ihr Leben, ihre Religion und natürlich über sich selbst.

2018,Nele Holzer