Seit zwei Wochen arbeite ich nun endlich im Waisenhaus St. Katharina. Auch wenn es eine relativ kurze Zeit ist, verspüre ich schon jetzt so etwas wie einem Alltag und es fühlt sich gut an. Jedem Morgen geh ich um 9 Uhr aus dem Haus und mache mich auf den Weg nach Katharina. Dort ist es noch relativ ruhig, da die älteren Kinder alle im Kindergarten sind.

Ab und zu helfe ich dem Schwestern bei den täglichen Arbeiten, allerdings spiele und kuschele ich die die meiste Zeit mit den sechs Kleinen oder werde als lebendiges Klettergerüst verwendet. Am Liebsten bin ich bei den vier Säuglingen, die gerade in St. Katharina sind. Die Kleinsten zwei sind Rachel und Annette, sie sind beide um die drei Monate alt, Rachel noch ein bisschen jünger. Elisa und Maria sind Zwillinge und ein halbes Jahr alt. Die vier halten mich immer ganz schön auf Trab. Meistens haben alle vier gleichzeitig Hunger und brauchen eine neue Windel, aber es macht unglaublich viel Spaß sich und die vier zu kümmern. Und das Strahlen von Elisa und Maria ist immer die schönste Belohnung.

Um 13 Uhr gehe ich zum Mittagessen nachhause und habe bis um 15 Uhr Mittagspause. Wenn ich wieder komme, machen die meisten Kinder noch ihren Mittagsschlaf, so dass ich oft beim Wäschewaschen, Wäsche auf- und abhängen helfe. Wenn die Kinder aus ihren Bettchen gekrabbelt sind, gibt es erst Mal Chai mit Obst, bevor weitergespielt und gekuschelt wird.

Gegen 16 Uhr kommen die Großen aus dem Kindergarten, sie sind immer noch ganz aufgedreht und rennen und tollen herum. Nachdem auch sie ihren Chai bekommen haben, werden alle Kinder ausgezogen, gewaschen, abgetrocknet, eingecremt und wieder angezogen. Das ist immer ein großes Chaos. Sind die Kids wieder frisch und fertig, wird lustig weitergespielt. Mit den Mädchen tanze ich gerade immer wieder und das ist total goldig wie sie sich mit ihren Kleidchen drehen und dabei übers ganze Gesicht strahlen.Gegen halb 6 gehe ich wieder nachhause um vor dem Abendessen noch zu duschen.

St. Katharina war ehemals ein Seniorenheim, da immer mehr Waisenkindern bei den Schwestern abgegeben worden sind, ist es seit 2014 ein Waisenhaus. Es werden immer noch häufig Kinder abgegeben, ein Grund dafür ist die hohe Müttersterblichkeit. Das Waisenhaus ist mittlerweile viel zu klein für so viele Kinder und für Neue ist eigentlich kein Platz mehr. Deswegen wird im Moment ein neues Waisenhaus gebaut, das noch Ende des Jahres fertig werden soll. Die Kinder bleiben bis zu ihrem 5. Lebensjahr in St. Katharina und dann kommen sie entweder in ein anderes Heim oder man versucht die Kinder in ihren (Groß-) Familien zu integrieren.

Dinge wie Milchpulver, Nahrung, Medikamente und Kleidung kosten viel Geld, was die Familienangehörigen oft nicht haben. Die Familienangehörigen dürfen jeder Zeit kommen und die Kinder besuchen. Die Kinder bekommen im St. Katharina einen guten Start ins Leben, durch gute pflegerische und medizinische Versorgung.
Die erste Woche haben mich die verschiedenen Schicksale der einzelnen Kinder sehr getroffen und die Tatsache, dass die meisten Kinder keine Eltern haben hat mich sehr traurig gemacht. Natürlich war mir immer bewusst was ein Waisenhaus ist aber wenn man auf einmal vor zwanzig Kindern steht und man sich noch mal die Bedeutung von einem Waisenhaus klar macht, wird einem ganz anders. Aber ohne dieses Heim wären vermutlich über die Hälfte der Kinder nicht mehr am Leben und den Kindern dort geht es sehr gut, sie haben ein Zuhause!
Ich bin unglaublich dankbar und froh, dass ich die Chance bekommen habe diese Kinder ein kleines Stück auf ihrem Weg begleiten zu dürfen!

 

Tansania, 2017

Clara Wittmann

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