Ich hatte einen wunderschönen Abschied aus meiner Gemeinde. Mit gemeinsamem Essen, Rede in der Messe, Kuchen von meinem Chor, Geschenken und vor allem noch ein letztes Mal sehr intensiven Begegnungen und Gesprächen. Und all dies bleibt mir im Herzen.
Ich möchte mich somit mit diesem letzten Rundbrief von euch verabschieden. Angehängt findet ihr zunächst ein paar meiner Gedanken zum Thema Heimat. Vielleicht wirken sie inspirierend. Mir helfen sie gerade auf jeden Fall.
Danach folgt eine Wordcloud (eine Wörter-Wolke), die ich erklären möchte. Ich bin ganz am Anfang meines Jahres mit meinen Mitfreiwilligen in einen Buchladen für gebrauchte Bücher reingeschlappt (etwas echt besonderes in Oaxaca). Eigentlich nur deshalb, weil es dort auch englische Bücher gab und wir gerade auf den Bus gewartet haben. Doch was ich dort gefunden habe, ist ein echter Schatz für mich. Das Buch heißt „14.000 things to be happy about“ von Barbara Ann Kipfer und aus einem Bauchgefühl heraus hab ich es mir damals einfach gekauft. Es ist einfach eine Liste von 14.000, die die Autorin irgendwann in ihrem Leben einmal glücklich gemacht haben.
Und mit dieser Idee hat die Autorin mich inspiriert. Hinten in meinem Tagebuch habe ich jeden Abend über das ganze Jahr hinweg eine Sache aufgeschrieben, die mich an diesem Tag glücklich gemacht hat oder mir einfach nur ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Manchmal sind es große, bedeutende Momente (das erste Mal Tortillas machen). Manchmal wirkten Punkte beinahe unbedeutend („Verdad, Tere?“– „Stimmt, Tere?“, das hat mich meine Gastmama immer gefragt, wenn sie irgendwas erzählt hat). Doch so saß ich jeden Abend auf meinem Bett und hab über den Tag nachgedacht, welche schöne Sache ich denn heute aufschreibe. Und das bedeutet mir so viel, weil mir dann oft nicht nur eine Sache eingefallen ist, sondern plötzlich viele über den Tag verteilt. Diese Liste möchte ich nun mit euch teilen.
Denn was mir mit der Zeit aufgefallen ist, ist das eigentlich Wundervolle daran: wenn ich jetzt meine Liste lese, dann erinnere ich mich noch immer, wieso ich jede auch noch so kleine Kleinigkeit verfasst habe. Ich erinnere mich an alles. An mein ganzes Jahr.
Und ich möchte auch an euch die Idee weitergeben: bevor ihr schlafen geht, nehmt euch einen Moment Zeit und denkt über euren Tag nach. Was war schön? Was blieb in Erinnerung? Und ihr werdet immer mit einem Lächeln im Gesicht einschlafen.
Mein Jahr in Mexiko ist offiziell zu Ende. Doch wie es mich geprägt hat, wird mich ein ganzes Leben beeinflussen. Ich möchte auch euch danken, dass ihr mich über das ganze Jahr begleitet habt. Das hat mir sehr geholfen!
Theresia Deiss